Netzwerkgesellschaft. Die Netzwerkgesellschaft wird die Agenturwelt von morgen entscheidend prägen. Netzwerke, Beziehungen und Kooperationen sind der wichtigste Treiber. 85% der 134 befragten Branchen-Insider sind dieser Meinung. Denn Agenturen sind immer weniger in der Lage, ihre Aufträge allein umzusetzen. Sie sind mehr und mehr auf die Mitarbeit von Freien, Spezialisten, anderen Agenturen und Dienstleistern angewiesen. Daraus resultieren viele Reibereien und Konflikte intern und mit externen Partnern.
Andere Formen des Austausches, Wissensmanagements und der Zusammenarbeit sind erforderlich. Je breiter sich das Leistungsspektrum von Agenturen ausdehnt, desto weniger können sie mit den bisherigen Strukturen arbeiten und desto stärker müssen siea die Logiken der Netzwerkgesellschaft übernehmen. Aber weder ihr Selbstbild noch ihre Strukturen, Arbeitsweisen oder Honorierungen sind darauf ausgelegt. Denn Netzwerke lassen sich nicht über Egos, Anweisungen und Kontrolle führen. Sie basieren auf Empathie, Motivation und Austausch.
Digitalisierung. Nach der Revolution der Kommunikation erfasst die Digitalisierung nun den Kern der Agenturen. Arbeitsweisen, Organisationsstrukturen und Geschäftsmodelle, mit denen Agenturen über Jahrzehnte erfolgreich waren, funktionieren schlechter und fühlen sich nicht mehr zeitgemäß an. Kommunikation wird messbar und untergräbt die eigene Expertise. 72% der Befragten stimmten diesem Treiber zu. Die Medienlandschaft wird unübersichtlicher und unberechenbarer. Klassisches Projektmanagement erzielt immer häufiger unbefriedigende Ergebnisse.
Die hohe Innovationsdynamik (70%) lässt Wissen schneller veralten und erfordert ständig neues Spezialwissen. Spezialisten und virtuelle Teammitglieder sind über Standorte verteilt (64%) oder werden global hinzugezogen. Zudem machen Start-Ups Agenturen vor, wie es geht.
Generation Y. Der Druck steigt. Köpfe brennen aus. Hierarchien sind out. „Bück Dich hoch“ war gestern. Fachkräfte sind rar, aber eine neue Generation will sich selbst verwirklichen, etwas Sinnhaftes tun und Karriere, Familie und Freizeit kombinieren. Die Revolution der Arbeitswelt ist in vollem Gange. Die Zeiten, in denen Agenturen Mitarbeiter verbrennen konnten, sind vorbei. Als Arbeitgeber sind Agenturen für junge Mitarbeiter
kaum noch attraktiv. Es fehlt ihnen an Gestaltungsmöglichkeiten, Freiräumen sowie Flexibilität für eine Lebensplanung außerhalb der Arbeit. Zukünftig werden die Rekrutierungs- und Personal-Kosten weiter steigen und die Zahl freier Mitarbeiter deutlich zunehmen. Dieses Setting bewerten die 86 Teilnehmer des Social Forecastings mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% für das Jahr 2020.
Post-Wachstums-Wirtschaft. Die wirtschaftlichen Dauerkrisen und Unsicherheiten werden derzeit als unwichtigster Treiber angesehen (43%). Denn noch scheint die wirtschaftliche Lage gut. Aber die neuen globalen Wachstumsmärkte liegen im Osten. Hier reifen neue Mittelschichten mit unbefriedigten Bedürfnissen heran. Hier sollen die reichsten Länder von morgen entstehen. Der Westen verliert an Bedeutung, kämpft mit schrumpfenden Wirtschaften und überschuldeten Haushalten.
Mittelfristig wird dies Konsequenzen für Kommunikationsbudgets haben. Denn Marketing ist immer eine Investition in zukünftige Märkte. Agenturen werden sich deutlich stärker internationalisieren müssen, um von dem neuen Gold-Rausch zu profitieren. Und sie werden sich mit einer Post-Wachstums-Wirtschaft beschäftigen müssen, die neben hohem Wettbewerbsdruck und Effizienz stärker auf den Prinzipien des Selbermachens, Tauschens und Teilens basiert.