Neu ist normal.

Torben Bo Hansen, Philipp und Keuntje — am: 06. December 2012
Veränderungsbarrieren

„Wir sind das was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“ Ein großes Wort, gelassen ausgesprochen – von Aristoteles.

Und darin liegen Segen und Fluch zugleich: Wiederholen wir etwas oft genug, können wir darin ganz exzellent werden. Aber das, was wir gut beherrschen übt eine magische Anziehungskraft auf uns aus. Weil wir mit geringerem Denk- und damit Energieaufwand zu vermeintlich besseren Ergebnissen kommen können, als bei jeder neuartigen Tätigkeit. Und deshalb erschwert es uns den Erwerb neuer Fertigkeiten und Fähigkeiten.

Von dieser Erkenntnis geleitet, haben wir vor gut zweieinhalb Jahren unsere internen Prozesse einmal komplett analysiert und auf den Prüfstand gestellt. Das Ziel: den Leidensdruck aller Beteiligten senken, die Arbeitsergebnisse verbessern und damit den Sinn der eigenen Arbeit maximieren und mehr Spaß daran haben. Wirtschaftliche Aspekte folgten automatisch, standen aber nicht im Mittelpunkt. Klar ist aber, dass die bessere Leistung für die Kunden bezahlbar bleiben muss.

Zentral für den Erfolg des Projekts war, dass wir vom tieferen Sinn – dem zu erwartenden Ergebnis – eines jeden durchlaufenen Kernprozesses ausgingen. Und nicht von Zeitvorgaben oder dem üblichen Effizienzgerede. Denn jede Veränderung braucht vor allem Lust auf das Neue. Nicht der Veränderungsprozess an sich bringt die Motivation, er ist anstrengend, ungewohnt, mühsam.

Deshalb muss jeder Veränderungsschritt Erfolgserlebnisse unmittelbar im Handeln erlebbar machen. Es braucht instant gratification, damit aus einer Einmalhandlung Gewohnheit werden kann!

Trotz erfahrener externer Berater und der Bereitstellung erheblicher Ressourcen haben die Veränderungen länger gebraucht als gedacht. Niemand meint es böse – aber das Beharrungsvermögen von Organisationen ist enorm. Selbst in einer Branche, die von neuen Ideen lebt!

Ein wichtiger Schritt war die Etablierung eines neuen Bewusstseins für die eigene Arbeitsweise – nicht durch Verordnung von oben. Sondern erst im Erleben des Veränderungsprozesses. Als dieses Bewusstsein die Zusammenarbeit „durchzog” wie der Edelpilz den Roquefort, machte es Sinn, ihm einen Namen zu geben. Seitdem haben wir intern ein simples Motto: NEU IST NORMAL.

Es erlaubt uns einen unaufgeregteren Umgang nicht nur mit neuen Technologien, neuen Ideen, neuen Kanälen etc. sondern vor allem auch mit neuen Formen der Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern. Wenn man das erst mal verinnerlicht hat, wird das Einüben des Neuen leichter. Nur Flexibilität zu predigen, bleibt im Appellativen hängen und bringt darin keine Vorzüglichkeit hervor. Change-Prozesse bieten wenig „low hanging fruits” und keine billigen Erfolge. Aber um ein kleines, aber schlimmes Wort zu benutzen: sie sind alternativlos.